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EU-Konformitätserklärung: Wer braucht sie? (+ Vorlage 2026)

2026-08-15

Eine EU-Konformitätserklärung (Declaration of Conformity, DoC) ist nur für Produkte erforderlich, die unter harmonisierte EU-Rechtsvorschriften mit CE-Kennzeichnungspflicht fallen — Spielzeug, die meisten Elektronikprodukte, Funk-/Bluetooth-Geräte, persönliche Schutzausrüstung und ähnliche Kategorien. Ihr Inhalt folgt dem Muster in Anhang III des Beschlusses Nr. 768/2008/EG. Ist Ihr Produkt nicht harmonisiert — Kerzen, Schmuck, Keramik, die meisten Deko- und Textilartikel — gibt es dafür schlicht keine DoC: Die Produktsicherheitsverordnung (EU) 2023/988 (General Product Safety Regulation, GPSR) verlangt stattdessen eine interne Risikoanalyse und technische Unterlagen (Art. 9 Abs. 2). Eine DoC für ein Produkt zu unterschreiben, hinter dem keine Harmonisierungsvorschrift steht, beweist nichts — und ein CE-Zeichen auf einem solchen Produkt ist sogar verboten.

Braucht Ihr Produkt eine EU-Konformitätserklärung?

Nur, wenn es unter mindestens eine harmonisierte EU-Rechtsvorschrift fällt, die eine verlangt — die DoC ist ein Geschöpf des CE-Kennzeichnungsrechts, keine universelle EU-Papierpflicht. Jede CE-Richtlinie oder -Verordnung (Spielzeug, Niederspannung, Funkanlagen, PSA…) enthält einen Artikel, der den Hersteller verpflichtet, vor dem Anbringen des CE-Zeichens eine DoC auszustellen. Deckt keiner dieser Rechtsakte Ihr Produkt ab, gibt es nichts, wozu Sie Konformität erklären könnten — dann gelten stattdessen die Dokumentationspflichten der GPSR.

Produkttyp Typische Rechtsvorschrift DoC + CE-Kennzeichnung?
Spielzeug (auch „Deko“-Artikel, die Kinder ansprechen) Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG Ja
Elektronik, Ladegeräte, Lampen (Netzstrom oder 50–1000 V) Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU (LVD) + EMV-Richtlinie 2014/30/EU (EMC) Ja
Alles mit Bluetooth, WLAN oder anderem Funk Funkanlagenrichtlinie 2014/53/EU (RED) Ja
Sonnenbrillen, Arbeitshandschuhe, Helme, Warnschutzkleidung PSA-Verordnung (EU) 2016/425 (PPE) Ja
Kerzen, Schmuck, Keramik, Textilien, Deko (nicht elektrisch, kein Spielzeug) GPSR (EU) 2023/988 Nein — stattdessen Risikoanalyse + technische Unterlagen

Zwei Fallen, die Sie prüfen sollten, bevor Sie auf „nicht harmonisiert“ schließen:

  • Schleichender Kategorienwechsel. Eine Kette mit LED und Knopfzelle ist Elektronik; ein Filzanhänger, mit dem ein Kind spielen würde, kann rechtlich Spielzeug sein. Entscheidend sind Funktion und vorhersehbarer Nutzer — nicht Ihr Listing-Titel.
  • Pflichten ohne DoC. Auch nicht harmonisierte Produkte können spezifischen Anforderungen unterliegen — REACH-Stoffbeschränkungen, Regeln für Lebensmittelkontakt — bei denen nie eine DoC oder ein CE-Zeichen ins Spiel kommt.

Und die umgekehrte Falle: Nach Art. 30 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 765/2008 darf die CE-Kennzeichnung nur auf Produkten angebracht werden, für die Harmonisierungsrechtsvorschriften der EU sie vorsehen. Ein CE-Zeichen auf einer Kerze, um „konform“ auszusehen, ist ein Verstoß — kein Bonus.

Wer muss die DoC ausstellen und unterschreiben?

Der Hersteller — und wenn Sie ein Produkt unter Ihrer eigenen Marke verkaufen, sind das Sie, auch wenn eine Fabrik es produziert hat. Nach dem Rahmen des Beschlusses 768/2008 übernimmt jeder, der ein Produkt unter eigenem Namen oder eigener Marke vermarktet, die Herstellerpflichten — einschließlich der Ausstellung der DoC in alleiniger Verantwortung. In der Praxis heißt das:

  • Die DoC Ihres Lieferanten, in der die Fabrik steht, deckt Ihr Private-Label-Listing nicht ab. Sie müssen eine eigene ausstellen — auf Basis derselben technischen Unterlagen und Prüfberichte.
  • Importeure und Händler müssen prüfen, ob eine DoC existiert; Importeure bewahren in der Regel 10 Jahre lang eine Kopie auf.
  • Sitzen Sie außerhalb der EU, muss der nach Art. 4 der Verordnung (EU) 2019/1020 vorgeschriebene Wirtschaftsakteur — meist ein Bevollmächtigter — DoC und technische Unterlagen bereithalten. Anbieter und Preisspannen finden Sie in unserem Kosten-Guide zur EU-Verantwortlichen Person.

Was muss eine EU-Konformitätserklärung enthalten?

Der Inhalt folgt der Musterstruktur in Anhang III des Beschlusses Nr. 768/2008/EG, angepasst durch den jeweiligen sektoralen Rechtsakt — ein einseitiges Dokument mit neun Standardelementen. Welchen Generator oder welche Vorlage Sie auch verwenden: Prüfen Sie das Ergebnis gegen diese Liste:

  1. DoC-Nummer — Ihre eigene eindeutige Referenz (nach manchen Rechtsakten optional, aber immer praktisch)
  2. Produktidentifikation — Name, Typ, Chargen- oder Seriennummer: genug für die Rückverfolgbarkeit
  3. Hersteller — Name und vollständige Postanschrift; plus Bevollmächtigter, sofern einer benannt ist
  4. Erklärung der alleinigen Verantwortung — „Die alleinige Verantwortung für die Ausstellung dieser Konformitätserklärung trägt der Hersteller.“
  5. Gegenstand der Erklärung — Beschreibung des Produkts (ein Bild ist zulässig, wo es die Identifizierung erleichtert)
  6. Die Harmonisierungsrechtsvorschriften, deren Einhaltung Sie erklären — präzise zitiert (z. B. „Richtlinie 2014/53/EU“)
  7. Angewandte harmonisierte Normen oder andere technische Spezifikationen — mit Referenznummern und Versionen, passend zu Ihren tatsächlichen Prüfberichten
  8. Angaben zur benannten Stelle, falls einschlägig — Name, vierstellige Kennnummer, ihre Tätigkeit und die Bescheinigungsnummer (viele Rechtsakte erlauben für Standardfälle die Eigenbewertung, diese Zeile lautet daher oft „nicht zutreffend“)
  9. Unterschriftsblock — Ort und Datum der Ausstellung, Name, Funktion und Unterschrift des Unterzeichners, „unterzeichnet für und im Namen von“ dem Unternehmen

Fällt ein Produkt unter mehrere Rechtsakte, die eine DoC verlangen, ist eine einzige DoC auszustellen, die alle aufführt (z. B. LVD Art. 15 Abs. 2); ein Bluetooth-Gadget zitiert typischerweise RED plus RoHS auf einer Seite. Die DoC muss in die Sprache(n) übersetzt werden, die die einzelnen Mitgliedstaaten vorschreiben, in denen Sie verkaufen, aktuell gehalten werden (eine abgelöste Normversion macht sie stillschweigend ungültig) und aufbewahrt werden — in der Regel 10 Jahre nach dem Inverkehrbringen des Produkts.

Wie sieht eine kopierbare DoC-Vorlage aus?

Die sicherste Vorlage ist das Anhang-III-Muster als Ausfüllseite — die Struktur unten entspricht ihm.

EU-KONFORMITÄTSERKLÄRUNG
Nr. [DoC-2026-001]

1. Produkt / Modell: [Name, Typ, Chargen- oder Seriennummer]
2. Hersteller: [rechtlicher Name, vollständige Postanschrift]
   Bevollmächtigter: [Name, Anschrift — oder „nicht zutreffend“]
3. Die alleinige Verantwortung für die Ausstellung dieser
   Konformitätserklärung trägt der Hersteller.
4. Gegenstand der Erklärung: [Beschreibung, die die
   Rückverfolgbarkeit erlaubt; Foto optional]
5. Der oben beschriebene Gegenstand der Erklärung erfüllt die
   einschlägigen Harmonisierungsrechtsvorschriften der Union:
   [z. B. Richtlinie 2014/53/EU; Richtlinie 2011/65/EU]
6. Angabe der einschlägigen harmonisierten Normen oder der
   anderen technischen Spezifikationen, für die die Konformität
   erklärt wird: [Normnummern und Versionen, z. B. EN 62368-1:2020]
7. Benannte Stelle: [Name, Kennnummer, Tätigkeit,
   Bescheinigungsnummer — oder „nicht zutreffend“]
8. Zusatzangaben: —

Unterzeichnet für und im Namen von: [Unternehmen]
[Ort, Datum]
[Name, Funktion, Unterschrift]

Eine ehrliche Einschränkung: Eine Vorlage oder ein Generator erzeugt das Dokument — nicht die Konformität. Die DoC ist die abschließende Unterschrift unter eine echte Konformitätsbewertung: Gefahrenanalyse, Prüfung gegen die gelisteten Normen, technische Unterlagen. Eine DoC ohne diese Arbeit dahinter zu unterschreiben ist eine Falscherklärung mit Ihrem Namen darunter.

Was brauchen Sie stattdessen, wenn Ihr Produkt nicht unter CE-Recht fällt?

Eine interne Risikoanalyse und technische Unterlagen nach Art. 9 Abs. 2 GPSR — eine „GPSR-Konformitätserklärung“ gibt es nicht, und Sie sollten keine erfinden. Die GPSR verlangt bewusst ein anderes, evidenzbasiertes Paket: eine Produktbeschreibung, die sicherheitsrelevanten Eigenschaften und (wo die Risiken es erfordern) eine dokumentierte Risikoanalyse mit den von Ihnen ergriffenen Maßnahmen — 10 Jahre lang aufbewahrt. Die vollständige Struktur inklusive einer Wahrscheinlichkeit-×-Schweregrad-Matrix finden Sie in unserem Guide zur GPSR-Risikoanalyse-Vorlage. Ein unterschriebenes, datiertes Fazit zum Restrisiko am Ende dieser Akte ist eine legitime interne Freigabe; eine selbst gestrickte „DoC zur Verordnung 2023/988“ ist dagegen ein Dokument, das kein EU-Rechtsakt vorsieht — erfahrene Prüfer lesen so etwas als Warnsignal.

Wie fragen Marktplätze nach der DoC?

Amazon fordert in Compliance-Dokumentanfragen für CE-Kategorien eine DoC an; bei nicht harmonisierten Produkten ist die richtige Antwort Ihre GPSR-Dokumentation — kein improvisiertes Zertifikat. In der Praxis:

  • Amazon sperrt Listings in Kategorien wie Spielzeug und Elektronik hinter Dokumentanfragen — typischerweise DoC, Prüfberichte sowie Fotos der CE-Kennzeichnung und der Rückverfolgbarkeitsangaben. Die Namen auf der DoC müssen zur Marke im Listing passen.
  • Etsy konzentriert sich auf die GPSR-Felder im Listing (Kontaktdaten von Hersteller und Verantwortlicher Person, Warnhinweise) statt auf DoCs, da die meisten Handmade-Kategorien nicht harmonisiert sind.
  • Fragt ein Marktplatz nach einer DoC für ein Produkt, für das es keine gibt, weil keine CE-Vorschrift greift: Sagen Sie genau das — und bieten Sie stattdessen eine Risikoanalyse oder einen Auszug aus den technischen Unterlagen an. Eine DoC zu fabrizieren, nur um eine automatisch generierte Anfrage abzuhaken, erzeugt ein unterschriebenes Falschdokument, wo eine kurze Erklärung gereicht hätte.

Die Anforderungen ändern sich; prüfen Sie Seller Central und das Etsy-Hilfecenter für die aktuellen Regeln Ihrer Kategorie.

Auf welcher Seite der Linie steht Ihr Produkt?

Die teuren Fehler laufen in beide Richtungen: ein Bluetooth-Gadget ohne DoC verkaufen — und eine Kerze mit „CE-Zeichen“ versehen, die keines tragen darf. Fügen Sie Ihr Etsy- oder Amazon-Listing in unseren Checker ein, um zu sehen, welcher Rechtsrahmen für Ihr Produkt gilt, und erstellen Sie dann die Dokumente, die Ihr Produkt wirklich braucht — 14 €.

Dieser Guide ist eine allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

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