EU Verantwortliche Person (Responsible Person): Was sie ist und was sie wirklich kostet (2026)
2026-08-11
Eine Verantwortliche Person in der EU (englisch „EU Responsible Person") ist ein Unternehmen oder eine Person mit Sitz in der Europäischen Union, die nach der Produktsicherheitsverordnung (EU) 2023/988 (GPSR) rechtlich für die Sicherheitsunterlagen Ihres Produkts einsteht. Wer von außerhalb der EU an EU-Kunden verkauft — etwa Etsy- oder Amazon-Bestellungen direkt aus den USA, Großbritannien oder der Türkei versendet — darf seine Produkte ohne sie rechtlich nicht auf dem EU-Markt anbieten. 2026 reichen verifizierte Marktpreise von rund 400–600 € einmalig bis 99–249 € pro Monat im Abo, je nach Anbieter und Produktanzahl.
Was ist eine Verantwortliche Person nach der GPSR?
Nach Artikel 16 der GPSR darf ein Verbraucherprodukt nur auf dem EU-Markt bereitgestellt werden, wenn es einen in der Union niedergelassenen Wirtschaftsakteur gibt, der für die in der Verordnung (EU) 2019/1020 (Marktüberwachungsverordnung) definierten Compliance-Aufgaben zuständig ist. Das kann sein:
- der Hersteller, wenn er in der EU niedergelassen ist
- ein Importeur, wenn der Hersteller außerhalb der EU sitzt
- ein Bevollmächtigter mit schriftlichem Mandat des Herstellers
- ein Fulfilment-Dienstleister mit Sitz in der EU (nur, wenn keiner der anderen existiert)
„Responsible Person" (oft RP oder AR für Authorised Representative abgekürzt) ist der Alltagsbegriff, den Verkäufer und Marktplätze für diese Rolle verwenden. Für kleine Nicht-EU-Verkäufer, die direkt an Verbraucher versenden, gibt es in der Lieferkette meist keinen EU-Importeur — der praktikable Weg ist daher die Beauftragung eines Bevollmächtigten.
Die GPSR gilt seit dem 13. Dezember 2024 und erfasst die meisten Non-Food-Verbraucherprodukte, auch handgemachte Waren — eine Ausnahme für kleine Verkäufer oder geringe Stückzahlen gibt es nicht.
Wer braucht wirklich eine Verantwortliche Person?
Sie brauchen eine, wenn Sie außerhalb der EU niedergelassen sind und kein anderer Akteur Ihrer Lieferkette in der EU sitzt. In der Praxis:
| Ihre Situation | Müssen Sie eine RP beauftragen? |
|---|---|
| EU-Verkäufer, der eigene Produkte fertigt oder importiert | Nein — Sie sind selbst der verantwortliche Wirtschaftsakteur |
| Nicht-EU-Verkäufer mit Direktversand an EU-Käufer (Etsy, Amazon FBM) | Ja — beauftragen Sie einen Bevollmächtigten |
| Nicht-EU-Verkäufer mit Amazon FBA und Ware im EU-Lager | Oft ja — ein Fulfilment-Anbieter kann die Rolle erfüllen, aber Marktplätze verlangen meist trotzdem eine benannte Verantwortliche Person im Angebot |
| Nicht-EU-Marke mit EU-Distributor, der importiert | Meist nein — der Importeur übernimmt die Rolle; lassen Sie sich das aber schriftlich bestätigen |
Etsy und Amazon setzen das auf Plattformebene durch: Beide verlangen, dass Verkäufer die Kontaktdaten der Verantwortlichen Person (und des Herstellers) in EU-Angeboten hinterlegen; Angebote ohne diese Angaben können für EU-Käufer blockiert werden. Die aktuellen Anforderungen finden Sie im Etsy-Hilfecenter und auf den GPSR-Seiten in Amazon Seller Central für Ihren Marktplatz.
Was macht eine Verantwortliche Person eigentlich?
Die RP ist keine Formalie und keine Briefkastenadresse. Nach Artikel 16 GPSR (mit Verweis auf Artikel 4 Abs. 3 der Verordnung 2019/1020) muss die Verantwortliche Person:
- prüfen, dass Ihre technische Dokumentation und Risikobewertung existieren und vollständig sind
- die Unterlagen für Marktüberwachungsbehörden bereithalten (die GPSR verlangt eine Aufbewahrung der technischen Dokumentation für 10 Jahre)
- Behörden informieren über das Safety Business Gateway, wenn ein Produkt ein Risiko darstellt, und das Warnsystem Safety Gate im Blick behalten
- mit Behörden bei Korrekturmaßnahmen kooperieren, etwa bei Rückrufen oder Marktrücknahmen
Ihr Name, eingetragener Handelsname, Postanschrift und elektronische Adresse müssen auf dem Produkt, seiner Verpackung, dem Paket oder einem Begleitdokument stehen — und nach Artikel 19 GPSR müssen dieselben Angaben beim Fernabsatz auch in Ihrem Online-Angebot erscheinen.
Was kostet eine Verantwortliche Person 2026 wirklich?
Hier die Preise von vier bei Marktplatzverkäufern verbreiteten Anbietern, im August 2026 direkt auf deren öffentlichen Preisseiten verifiziert:
| Anbieter | Preismodell | Verifizierter Preis | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| EaseCert | Einmalgebühr | 400–600 € pro Produktkategorie | Keine Verlängerungen oder Abos; Preis je nach Kategorie (z. B. 400 € für Kleidung/Schmuck, 500 € für Spielzeug/Elektronik, 600 € für PSA); inkl. RP-Service mit deutscher Registeradresse |
| AuraDPP | Monatsabo | 99–249 €/Monat | 99 € (bis 50 SKUs, geringes Risiko), 149 € (bis 200 SKUs), 249 € (unbegrenzte SKUs, alle Kategorien); jederzeit kündbar, keine Einrichtungsgebühr |
| euverify | Jahresabo | ab £490/Jahr (~570 €) | Starter deckt bis zu 5 Produktfamilien ab (EU oder UK); höhere Stufen bis £1.890/Jahr decken EU & UK; Aufpreise für risikoreichere Kategorien (z. B. +£200/Jahr für Spielzeug) |
| Westwood Sourcing | Auf Anfrage | Keine öffentlichen Preise | Sourcing-Agentur aus den Niederlanden, bündelt EU-Vertretung mit Sourcing, QC und Logistik; Angebot anfragen |
Ein paar ehrliche Beobachtungen aus diesen Daten:
- Für Verkäufer mit einer Handvoll stabiler Produkte ist eine Einmalgebühr meist am günstigsten über 2–3 Jahre gerechnet: 400–600 € einmal statt 1.188–2.988 € für ein Jahr eines mittleren Monatstarifs.
- Abos lohnen sich, wenn sich Ihr Katalog ständig ändert oder Sie laufende Dokumentenablage, DoC-Erstellung und Compliance-Updates gebündelt wollen.
- Achten Sie auf die Abrechnungseinheit. Manche Anbieter rechnen pro Produktkategorie, manche pro Produktfamilie, manche in SKU-Stufen. Ein Shop mit 60 SKUs kann bei EaseCert eine einzige Kategorie sein, Sie aber bei AuraDPP in eine höhere Stufe schieben.
- Preise verstehen sich ohne Mehrwertsteuer und ändern sich; prüfen Sie vor dem Kauf immer die Anbieterseite.
Wie wählt man einen RP-Anbieter aus?
Prüfen Sie jeden Kandidaten gegen diese Checkliste:
- Echte EU-Niederlassung — eine verifizierbare Registeradresse und Handelsregistereintragung in einem EU-Mitgliedstaat, kein virtueller Briefkasten
- Schriftliches Mandat — die GPSR verlangt, dass der Bevollmächtigte auf Basis eines schriftlichen Mandats des Herstellers handelt; Sie sollten eine Kopie erhalten und aufbewahren
- Kategorieabdeckung — klären Sie, ob Ihr Produkttyp akzeptiert wird (viele schließen Kosmetik, Elektronik oder Kinderprodukte aus oder bepreisen sie höher)
- Dokumentenprüfung statt bloßer Adresse — ein seriöser RP prüft Ihre technische Dokumentation und Risikobewertung, bevor er Sie annimmt; wer keine Fragen stellt, ist ein Warnsignal, denn sein Name steht auf Ihrem Produkt
- Klarheit im Ernstfall — fragen Sie, was passiert, wenn eine Marktüberwachungsbehörde ihn zu Ihrem Produkt kontaktiert, und was die Bearbeitung kostet
- Preismodell passend zum Katalog — Einmalgebühren pro Kategorie passen zu stabilen Sortimenten; SKU-basierte Abos zu schnell wechselnden
Was passiert, wenn Sie ohne RP in die EU verkaufen?
Drei Durchsetzungsebenen können Sie treffen:
- Marktplatz-Durchsetzung — Etsy und Amazon können Ihre Produkte für EU-Käufer ausblenden, blockieren oder entfernen, wenn GPSR-Felder fehlen. Für kleine Verkäufer die häufigste und unmittelbarste Folge.
- Zoll und Marktüberwachung — Produkte ohne identifizierbaren verantwortlichen EU-Akteur können an der Grenze gestoppt oder vom Markt genommen werden.
- Nationale Sanktionen — GPSR Artikel 44 überlässt die Bußgelder den Mitgliedstaaten; die Höhe variiert je Land, eine EU-weit einheitliche Strafe gibt es nicht.
Was sollten Sie tun, bevor Sie für eine RP zahlen?
Die Beauftragung einer Verantwortlichen Person ist Schritt zwei. Schritt eins ist, etwas zu haben, das sie vertreten kann: eine Risikobewertung, technische Dokumentation und konforme Kennzeichnung — jeder seriöse RP fragt danach, und die GPSR verlangt es ohnehin. Bevor Sie Geld ausgeben, finden Sie heraus, was Ihr konkretes Produkt braucht: Fügen Sie Ihr Etsy- oder Amazon-Angebot in unseren kostenlosen Checker ein und erhalten Sie in etwa einer Minute eine verständliche Lückenliste — Produkt kostenlos prüfen.
Dieser Leitfaden dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.
Deine nächste EU-Bestellung sollte kein Compliance-Glücksspiel sein.
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