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GPSR für Kerzenverkäufer: EU-Anforderungen erklärt (2026)

2026-08-15

Kurze Antwort: Wenn Sie Kerzen an Verbraucher in der EU verkaufen — auch handgemachte Kerzen über Etsy oder Amazon — behandelt Sie die Produktsicherheitsverordnung, die Verordnung (EU) 2023/988 über die allgemeine Produktsicherheit (General Product Safety Regulation, GPSR), als Hersteller. Seit dem 13. Dezember 2024 bedeutet das: eine dokumentierte Risikoanalyse mit technischen Unterlagen (Art. 9 Abs. 2), Rückverfolgbarkeits- und Kontaktangaben auf der Kerze oder ihrer Verpackung (Art. 9 Abs. 5–6), ein in der EU niedergelassener verantwortlicher Wirtschaftsakteur, wenn Ihr Unternehmen außerhalb der EU sitzt (Art. 16), und Sicherheitswarnhinweise sowohl auf dem Etikett als auch im Online-Angebot (Art. 19). Warnetiketten für Kerzen folgen üblicherweise der EN 15494 — einer freiwilligen europäischen Norm, keinem Gesetz, aber dem anerkannten Maßstab. Eines deckt die GPSR-Arbeit nicht ab: die Gefahrenkennzeichnung von Duftstoffen und Allergenen — die sitzt in der separaten CLP-Verordnung.

Gilt die GPSR für handgemachte Kerzen?

Ja — die GPSR kennt keine Ausnahme für Handgemachtes, Kleinserien oder Hobby-Verkäufer. Wenn Sie Kerzen selbst gießen oder gießen lassen und unter eigenem Namen oder eigener Marke verkaufen, sind Sie der „Hersteller" im Sinne der Verordnung. Die GPSR gilt für Verbraucherprodukte, die seit dem 13. Dezember 2024 auf dem EU-Markt bereitgestellt werden — und Kerzen, eine offene Flamme im Wohnzimmer, in Reichweite von Kindern und Haustieren, sind genau die Art Alltagsprodukt, das Marktüberwachungsbehörden sich ansehen.

Zwei Klarstellungen, über die Kerzenverkäufer regelmäßig stolpern:

  • Private Labelling macht Sie zum Hersteller. Wer fertig zugekaufte Kerzen unter eigener Marke verkauft, trägt die vollen Herstellerpflichten — nicht die leichteren Händlerpflichten.
  • Verkauf „im Nebenerwerb" ändert nichts. Entscheidend ist die Abgabe an Verbraucher im Rahmen einer geschäftlichen Tätigkeit — ein Etsy-Shop mit 30 Bestellungen im Monat erfüllt das.

Welche GPSR-Pflichten haben Sie als Kerzenverkäufer?

In der Praxis läuft GPSR-Compliance für Kerzen auf fünf Pflichten hinaus, alle in konkreten Artikeln der Verordnung (EU) 2023/988 verankert.

  1. Interne Risikoanalyse und technische Unterlagen (Art. 9 Abs. 2) — eine schriftliche Bewertung der Gefahren Ihrer Kerze, der ergriffenen Abhilfemaßnahmen und der angewandten Normen, aktuell gehalten und 10 Jahre aufbewahrt. Unser Leitfaden zur GPSR-Risikobewertung mit Vorlagenstruktur führt durch das komplette Dokument.
  2. Rückverfolgbarkeitskennzeichnung (Art. 9 Abs. 5) — eine Typen-, Chargen- oder Seriennummer auf der Kerze, ihrer Verpackung oder einem Begleitdokument, damit sich eine konkrete Produktionscharge identifizieren lässt.
  3. Ihre Identität auf dem Produkt (Art. 9 Abs. 6) — Ihr Name (oder eingetragener Handelsname/Ihre Marke), Ihre Postanschrift und eine elektronische Kontaktmöglichkeit auf der Kerze oder ihrer Verpackung.
  4. Anleitung und Sicherheitsinformationen (Art. 9 Abs. 7) — Brennanleitung und Warnhinweise in einer Sprache, die Verbraucher im Zielland leicht verstehen. Bei einer Kerze ist das der Platz für das klassische Warnetikett.
  5. Ein in der EU niedergelassener verantwortlicher Wirtschaftsakteur (Art. 16) — ein Hersteller, Importeur, Bevollmächtigter oder Fulfilment-Dienstleister mit Sitz in der EU, dessen Name und Kontaktdaten das Produkt begleiten. Verkäufer außerhalb der EU beauftragen typischerweise einen Bevollmächtigten („Verantwortliche Person" / Responsible Person).

Obendrauf erstreckt Art. 19 das Ganze auf das Angebot selbst: Jedes Online-Angebot muss Name und Kontaktdaten des Herstellers zeigen, den verantwortlichen Wirtschaftsakteur bei Nicht-EU-Herstellern, Angaben zur Identifizierung des Produkts (einschließlich eines Bildes) sowie alle Warn- und Sicherheitsinformationen — bevor der Käufer auf „Kaufen" klickt.

Welche Gefahren muss eine Kerzen-Risikobewertung abdecken?

Eine Risikobewertung für Kerzen muss Brand-, Hitze- und Materialgefahren für die vorhersehbare Verwendung und Fehlanwendung durcharbeiten — nicht nur die offensichtliche offene Flamme. Diese Gefahrenzeilen erwarten Prüfer bei einer Behälter- oder Stumpenkerze:

Gefahr Was schiefgehen kann Typische Abhilfemaßnahme
Offene Flamme Entzündet Vorhänge, Dekoration oder danebenliegende Verpackung; Kerze brennt unbeaufsichtigt Stabiler Stand; Warnhinweise zu unbeaufsichtigtem Brennen und zum Abstand zu brennbaren Materialien; klare Brennanleitung
Behälterhitze Glas oder Dose wird so heiß, dass Haut verbrannt oder Möbel versengt werden Hitzebeständiges Gefäß; Warnhinweis „Behälter wird heiß"; Hinweis, die Kerze vor dem Anfassen abkühlen zu lassen
Dochtreste & Sekundärentzündung Dochtabschnitte oder Streichholzreste fallen in den Wachspool und entzünden sich — eine übergroße Flamme entsteht Hinweise „Docht vor dem Anzünden kürzen" und „Wachspool frei von Rückständen halten"; passende Dochtgröße
Heißes Wachs Verschüttet sich und verbrennt, wenn eine brennende Kerze bewegt oder umgestoßen wird Warnhinweis „Brennende Kerze nicht bewegen"; breiter, standfester Behälter
Behälterversagen Glas springt durch Thermoschock, wenn die Kerze bis ganz nach unten abgebrannt wird Anweisung, bei Restwachs am Boden nicht weiterzubrennen; geprüftes Glas
Lebensmittelähnliches Aussehen Kerzen in Dessert- oder Fruchtform verleiten Kinder dazu, hineinzubeißen oder damit zu hantieren (Art. 6 nennt das Erscheinungsbild als Sicherheitsaspekt) Lebensmittelimitate im Design vermeiden — oder ausdrücklich warnen und außerhalb der Reichweite von Kindern halten
Eingebettete Dekoration Trockenblumen, Kristalle oder Botanicals im Wachs werden zu zusätzlichem Brennmaterial Einlagen vom Docht fernhalten und außerhalb des zu erwartenden Wachspools platzieren

Bewerten Sie jede Gefahr nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere — vor und nach der Abhilfemaßnahme, genau wie in der allgemeinen Vorlage zur Risikobewertung — und denken Sie an die Hierarchie: Ein Warnhinweis entschuldigt nie eine Gefahr, die Sie konstruktiv hätten beseitigen können (ein zu kleines Gefäß, ein zu langer Docht). Wenn Sie sich die Tabelle vorformulieren lassen wollen: Unser GPSR-Risikobewertungs-Generator erstellt einen kerzenspezifischen Ausgangspunkt, den Sie anschließend prüfen und anpassen.

Ist das Warnetikett nach EN 15494 gesetzlich vorgeschrieben?

Nein — die EN 15494 („Kerzen — Produktsicherheitsetiketten") ist eine freiwillige europäische Norm, keine gesetzliche Pflicht. Aber ihr zu folgen ist der am besten verteidigbare Weg, die Warnhinweis-Erwartungen der GPSR zu erfüllen. Die GPSR schreibt nirgends einen Etikettentext für Kerzen vor; sie verlangt ein sicheres Produkt und macht Warnhinweise, Aufmachung und Anleitung zu Kriterien, nach denen Sicherheit beurteilt wird (Art. 6). Die EN 15494 füllt diese Lücke mit einem definierten Satz von Brandschutz-Warnhinweisen und Piktogrammen — unbeaufsichtigtes Brennen, brennende Kerzen von Kindern und Haustieren fernhalten, Abstand zu brennbaren Materialien —, den die europäische Kerzenindustrie als gemeinsame Etikettensprache nutzt.

Gehen Sie mit den Normen so um:

  • Nutzen Sie die EN 15494 für Ihr Etikett — als Text, Piktogramme oder beides, übersetzt, wo Ihre Käufer es brauchen.
  • Führen Sie angewandte Normen in Ihren technischen Unterlagen auf. Art. 9 Abs. 2 erwartet ausdrücklich eine Liste der angewandten einschlägigen europäischen Normen — EN 15494 für die Kennzeichnung und EN 15493 (Spezifikation für die Brandsicherheit von Kerzen) sind bei Kerzen die naheliegenden Einträge.
  • Übertreiben Sie nicht. Ein Angebot, das behauptet, Kerzen seien „gesetzlich EN-zertifiziert", ist falsch; technische Unterlagen mit „Warnhinweise nach EN 15494, Brandsicherheit nach EN 15493" sind genau richtig.

Was verlangen Etsy und Amazon von Kerzenverkäufern?

Beide Marktplätze erheben inzwischen GPSR-Daten für EWR-Angebote — und nehmen Angebote offline, wenn sie fehlen. In den Plattformfeldern wird Ihre Compliance sichtbar:

  • Etsy verlangt auf Shop-Ebene einen Wirtschaftsakteur (Economic operator) (Shop-Manager → Einstellungen → Partner, mit denen du zusammenarbeitest) und in jedem Angebot mit Versand in den EWR/nach Nordirland die Felder Hersteller (Manufacturers) und Produktsicherheitsinfo (Product safety info) — in das zweite gehören Ihre Entflammbarkeits-Warnhinweise, der Text „niemals unbeaufsichtigt brennen lassen" und die Hinweise zur sicheren Verwendung. Angebote, die am oder nach dem 13. Dezember 2024 erstellt wurden, sind erfasst. Wurde ein Kerzen-Angebot bereits deaktiviert, lesen Sie, was die Etsy-GPSR-Meldung „Angebot deaktiviert" bedeutet und wie Sie Einspruch einlegen.
  • Amazon erhebt die entsprechenden Daten über seine Compliance-Felder: Kontaktdaten des Herstellers, eine Verantwortliche Person in der EU für Nicht-EU-Hersteller und Produktsicherheitsinformationen — teils mit Belegdokumenten oder Etikettenbildern. Fehlende Daten führen zu unterdrückten oder gesperrten Angeboten, nicht zu einer freundlichen Erinnerung.

Kein Plattformformular ersetzt die eigentliche Arbeit: Die Felder sind die sichtbare Oberfläche der Risikobewertung, des Etiketts und der technischen Unterlagen dahinter.

Deckt die GPSR die Kennzeichnung von Duftstoffen und Allergenen ab?

Nein — die Gefahrenkennzeichnung von Duftstoffen, Farbstoffen und anderen Chemikalien in Ihrer Kerze ist eigene Gesetzgebung: die CLP-Verordnung, die Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen (Classification, Labelling and Packaging, CLP) — und vollständige GPSR-Unterlagen erfüllen sie nicht. Duftkerzen enthalten Duftstoffmischungen, die als gefährlich eingestuft sein können — hautsensibilisierende Stoffe sind der häufigste Fall —, und je nach Einstufung kann die CLP eigene Kennzeichnungselemente verlangen (Gefahren- und Sicherheitshinweise, „Enthält"-Angaben zu Allergenen, Piktogramme). Ob Ihre Kerze CLP-Pflichten auslöst, hängt von den Einstufungs- und Konzentrationsdaten im Sicherheitsdatenblatt Ihres Duftstofflieferanten ab — fangen Sie also dort an, statt zu raten.

Dieser Leitfaden behandelt bewusst keine CLP-Schwellenwerte oder -Etiketteninhalte — das ist ein eigener Compliance-Strang. Was hier zählt: Planen Sie ihn als zweiten Arbeitsstrang ein, und geben Sie ein GPSR-Warnetikett niemals als Nachweis der Duftstoff-Compliance aus.

Bereit zu verkaufen? Holen Sie sich zuerst Ihre Kerzen-Lückenliste

Vor Ihrer nächsten EU-Bestellung sollten Sie haben: eine kerzenspezifische Risikobewertung, technische Unterlagen, ein Warnetikett im Stil der EN 15494, Rückverfolgbarkeits- und Kontaktangaben auf der Verpackung, einen verantwortlichen Wirtschaftsakteur in der EU und vollständige Sicherheitsfelder in jedem Angebot. Fügen Sie Ihr Etsy- oder Amazon-Kerzenangebot in unseren Checker ein, um zu sehen, was davon fehlt, und die Dokumente zu erstellen: Holen Sie sich Ihr Kerzen-Compliance-Paket — 14 €.

Dieser Leitfaden dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.

Deine nächste EU-Bestellung sollte kein Compliance-Glücksspiel sein.

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